Ich bin dann mal nett – neuer Trend „Random Acts of Kindness“ als Marketinginstrument?

In seinem September-Newsletter proklamiert das Zukunftsinstitut den Trend „Random Acts of Kindness“ (http://www.trend-update.de/2011/08/31/random-acts-of-kindness/) – meine erste spontane Übersetzung „zufällige Akte der Nettigkeit“ hilft nicht gerade, das Fragezeichen in meinem Gesicht zu beseitigen. Die Übersetzung des Zukunftsinstituts klingt schonmal etwas besser: „zufällige Gesten der Liebenswürdigkeit“. Aber was genau soll das sein?

„Das Mantra einer Generation, die mit dem Shareness-Gedanken aufwächst“, heißt es weiter. Hm, klingt kryptisch… Ein paar Zeilen weiter bin ich dann schlauer: Kurz gesagt geht es darum, mit netten Gesten Menschen aufzumuntern oder positiv zu überraschen, ohne dabei vorrangig eigenen Nutzen im Sinn zu haben. Und das nicht nur im privaten Bereich, sondern auch seitens Unternehmen.

Ein Beispiel: Interflora (das britische Fleurop) suchte in Twitter nach Menschen, die über einen Tweet gerade kommuniziert hatten, dass sie schlecht drauf waren, denen z.B. ein Malheur passiert war und die ergo Aufmunterung gebrauchen konnten. Der Blumendienst fragte diese zufällig ausgewählten Menschen dann wiederum über Twitter, ob man ihnen einen Blumenstrauß zur Aufmunterung schicken dürfe.

Klingt nicht schlecht… Meine Neugier ist geweckt – neues Marketingtool? – und ich fange an zu googlen. Auf http://trendwatching.com/trends/rak/ finde ich einen ausführlicheren Report zum Trend, der einige Erfolgsregeln für „R.A.K.“ (als Abkürzung klingt’s gleich noch viel cooler, oder?) für Unternehmen aufstellt – hier eine Auswahl:

  • Be genuine. Authentisch sein: Logisch, die Philosophie der Marke soll sich in der Geste widerspiegeln. Oder andersrum – wenn eine Marke ein rückständiges oder unfreundliches Image hat, helfen vereinzelte R.A.K.s nicht, dieses zu ändern.
  • Be personal, but not too personal. Persönlich sein, aber nicht zu persönlich: Möglichst individuell soll’s sein, ohne aber zu sehr in die Privatsphäre von fremden Personen einzudringen.
  • Be compassionate, not crass. Anteilnehmend sein und nicht marketinggetrieben: Wirklich einfach jemandem eine Freude bereiten, ohne Hintergedanken – heutzutage vermutlich für viele schon eine echte Herausforderung.
  • Make it shareable. Möglichkeit zum Teilen geben: Sei es das Teilen des Erlebnisses online oder vielleicht sogar das Teilen des Präsents, z.B. zwei Kinokarten anstatt einer. Womit wir beim nächsten Punkt wären…
  • Be generous. Großzügig sein: Lieber großzügig mit weniger Menschen als nur ein bisschen R.A.K. bei vielen Menschen.
  • Get real. Mitten ins Leben: Nicht nur online aktiv werden, sondern auch offline, im echten Leben!
  • Don’t make R.A.K. too frequent. Mach’s nicht zu oft! Jeder R.A.K. sollte ein zufälliger, individueller und möglichst einzigartiger Akt sein.

Ich muss sagen, mir gefällt die Idee von R.A.K. Gibt nicht nur dem Epfänger, sondern auch dem Geber bestimmt ein schönes Gefühl. Und: Es kann ein Marketinginstrument sein, das langfristig sehr positiv zur Imagebildung beiträgt. Ich sage „es kann“, weil ich andererseits schon vor mir sehe, wie manche Unternehmen es einsetzen werden, ohne es richtig zu verstehen, und sich damit mehr schaden als nutzen. Aber da wäre R.A.K. ja nicht das erste Marketinginstrument, das von manchen an der Zielsetzung vorbei „missbraucht“ würde :-)

In diesem Sinne wünsche ich uns allen authentische, uneigennützige Ideen, um diese Welt ein bisschen fröhlicher zu machen – „Ich bin dann mal nett“!

Übrigens, ganz unabhängig vom Einsatz als Marketinginstrument – ich habe mir vorgenommen, dass ich den Gedanken, öfter mal jemandem (Bekanntem oder Unbekanntem) einfach so was Nettes, Aufmunterndes zu sagen oder zu tun, in Zukunft viel häufiger in die Tat umsetze!