Titel, Zertifikate & Co. – geht Weiterbildung auch anders?

In Deutschland, so mein Eindruck, wird Weiterbildung meist nur dann als ernstzunehmend anerkannt, wenn am Ende ein Abschluss, ein klingender Titel oder zumindest ein Zertifikat steht. Gibt’s nicht auch andere Wege?

Ich bin z.B. jemand, der sich sehr gerne autodidaktisch Wissen aneignet. Bücher, Newsletter, Blogs, mal ein Vortrag, Gespräche mit Fachleuten – so kann ich mir viel Knowhow aneignen, habe einerseits Theorie und andererseits ein lebendiges, praxisnahes Gesamtbild. Aber eben kein Zertifikat. Und gerate damit schnell in „Beweisnot“ darzulegen, dass ich z.B. als Berater im entsprechenden Fachbereich qualifiziert bin. Während jemand anders sich seinen im Seminar erworbenen Titel vor die Brust hängt und damit automatisch signalisiert „Ich kann das“. Ist das so?

Nehmen wir als Beispiel das Thema Social Media: Mehrfach habe ich mir Weiterbildungsangebote in diesem Bereich angeschaut, zum Social-Media-Manager, Social-Media-Experte oder wie auch immer man sich danach nennen darf. Klar, interessante Inhalte. Aber weiß ich, ob die Referenten wirklich gut sind, gerade bei einem noch recht jungen Thema? Wer „zertifiziert“ denn die ausbildenden Institutionen? Anbieten kann so eine Ausbildung ja jeder. Und heißt Social Media in der Theorie und ein paar Übungsbeispielen erfahren zu haben, dass jemand wirklich damit umgehen kann?

Ich möchte keineswegs den Seminaranbietern auf den Schlips treten –  die große Mehrzahl der Weiterbildungsangebote, egal in welchem Bereich, ist sicher in Ordnung. Mein Anliegen ist es vielmehr, dass wir (und manchmal muss ich mich da an die eigene Nase fassen) die Kompetenzen von Menschen nicht (nur) anhand irgendwelcher Titel und Zertifikate beurteilen, sondern dass auch autodidaktische und praktische Weiterbildung zählt.

Wäre doch schön, wenn in meinem Qualifikationsprofil gleichwertig neben dem Zertifikat „Eintägige Weiterbildung Textkompetenz bei Institut XY“ auch „Autodidaktische Weiterbildung zur Social-Media-Fachfrau“ stehen kann und das keiner komisch findet.

Wie sind Eure Erfahrungen mit Titeln, Zertifikaten und autodidaktischem Wissen?