So nicht! 10 Fehler, die Sie als Existenzgründer vermeiden sollten

160926_existgr-fehlerFehler, die schon mal von jemand anderem gemacht wurden, muss man ja selber nicht noch mal machen. Also: Machen Sie’s besser, damit Ihr Gründungsprojekt von Anfang an in die Erfolgsspur kommt!

 

IN SACHEN PLANUNG

1) Keinen Zeit-/Projektplan machen
Eine Existenzgründung ist ein komplexes Projekt mit vielen Teilaufgaben, für die Sie sich auf jeden Fall einen detaillierten Projektplan mit zeitlichen Meilensteinen machen sollten. Gleichen Sie Ihr Vorwärtskommen regelmäßig mit diesem Plan ab, damit Sie keine wichtige Aufgabe vergessen oder zu spät in Angriff nehmen.
2) Keinen Businessplan schreiben
Viele Gründer denken, dass ein Businessplan nur dann nötig ist, wenn man eine Finanzierung oder Fördergelder beantragen will. Meine Ansicht: Ein (wirklich gründlich erarbeiteter) Businessplan ist die erste „Tauglichkeitsprüfung“ für Ihr Gründungsprojekt. Erstens müssen Sie sich mit allen relevanten Gründungsaspekten auseinandersetzen, es kann also nichts Wichtiges unter den Tisch fallen. Zweitens hinterfragen Sie sich selbst viel kritischer, wenn Sie Ihre eigenen, möglicherweise noch unausgegorenen Gedanken in Schriftform bringen müssen. Und drittens können Sie diesen Businessplan Vertrauenspersonen vorlegen, um deren objektive Einschätzung zu Ihrem Gründungsprojekt zu erhalten.
3) Das Letzte vor dem Ersten machen
Ich habe schon Gründer erlebt, die hatten zwar bis dato nur eine vage Geschäftsidee, aber der Firmenname stand schon in Stein gemeißelt. Ob der nachher noch passt, wenn das Leistungsspektrum mal konkret definiert ist…? Oder Gründer mieten schon Geschäftsräume an, obwohl die Finanzierungszusage noch nicht vorliegt. Es gibt viele Beispiele, bei denen die Reihenfolge einfach nicht passt. Darum immer (anhand des in Ruhe durchdachten Projektplans – siehe Punkt 1) prüfen, was in welcher Reihenfolge Sinn ergibt, damit Sie nicht unnötig Zeit oder Geld verschwenden oder sich in vertragliche Verpflichtungen begeben, aus denen Sie nachher nicht mehr rauskommen.

IN SACHEN GELD

4) Das wirtschaftliche Potential der Idee nicht hinterfragen
Schön, Sie haben eine tolle Geschäftsidee. Finden nur Sie die toll oder gibt es auch ein Marktpotential dafür? Das sollten Sie fundiert herausfinden, indem Sie Marktanalysen durchführen (das müssen keine riesigen, teuren Studien sein, auch im kleinen Stil können verwertbare Daten erhoben werden), Statistiken wälzen, Wettbewerbsbeobachtungen durchführen. Und dann rechnen, rechnen, rechnen!
5) Keine solide Finanzplanung
Auch bei der Finanzplanung ist rechnen, rechnen, rechnen angesagt. Vor allem sollten Sie unrealistische Annahmen hinsichtlich Ihrer Absatzmengen vermeiden und am besten mehrere Szenarien von best case bis worst case durchrechnen. Denken Sie an ausreichend finanziellen Puffer für die ersten Monate und darüber hinaus. Stellen Sie sicher, dass Sie jederzeit liquide sind. Und machen Sie sich bewusst, dass der Geldeingang auf dem Konto nicht gleich Ihr Gewinn ist!

IN SACHEN MARKETING

6) Total produktverliebt sein
Naturgemäß sind Gründer von ihrer Idee bzw. ihrem Produkt total überzeugt (was ja auch gut so ist). Allerdings sollten Sie als Gründer unbedingt die Brille des Kunden aufsetzen (und dazu vorab Ihre Zielgruppe genau definieren!). Welches Kundenproblem lösen Sie mit Ihrem Angebot, welchen Nutzen bieten Sie? Was lässt sich noch verbessern, damit Kundenbedürfnisse optimal bedient werden?
7) Sich beim Produkt-/Leistungsspektrum verzetteln
Fast bei jedem Gründer erlebe ich am Anfang eine Art „Bauchladenmentalität“. „Das biete ich an, und dann noch das, und das mach ich auch. Ach ja, und dann soll das auch noch rein…“ Die Angst vor Beschränkung und Spezialisierung ist zwar nachvollziehbar, aber kontraproduktiv. Nur wenn Sie sich als Experte für ein bestimmtes Thema positionieren, sich darauf fokussieren und das auch so nach außen kommunizieren, haben Sie eine Chance, bei Ihrer Zielgruppe zu landen.
8) Keine klare Botschaft und einzigartige Nutzenargumente
Für die Kommunikation nach außen sind eine klare Positionierung und möglichst einzigartige Nutzenargumente ganz entscheidend. Warum soll ein Kunde genau bei Ihnen kaufen und nicht bei Ihrem Wettbewerber? Kommunizieren Sie klar und überzeugend!

… UND GENERELL

9) Sich nicht (oder nicht ausreichend) ums Unternehmerische kümmern
Die meisten Gründer haben in ihrem Metier eine tolle Idee und wollen deshalb ein Unternehmen gründen. Die wenigsten sind per se BWLer mit Leib und Seele. Trotzdem führt kein Weg daran vorbei, sich mit dem gesamten unternehmerischen „Drumherum“ angemessen zu beschäftigen. Buchhaltung, Finanzplanung, Controlling, Formalitäten, Marketing, Personal… Selbstverständlich können Sie diese Aufgaben zum Teil auslagern, aber den Überblick und Durchblick sollten Sie trotzdem zu jeder Zeit haben, denn Sie sind der Unternehmer.
10) Auf Beratung verzichten
Klar, das muss eine Beraterin ja sagen, werden Sie jetzt denken. Aber erfahrungsgemäß ist es tatsächlich so, dass Gründer ohne Beratung sich sehr schwer tun, in ihr großes „Ideen- und Aufgabendurcheinander“ ausreichend Klarheit und Struktur reinzubringen und sich einen klaren Plan aufzuerlegen, was alles wann zu tun ist. Die gute Nachricht: Beratung ist in vielen Fällen förderfähig. Und in jedem Fall zahlt sie sich aus – haben mir zumindest „meine“ Gründer noch immer bestätigt.