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Alles Coaching oder was?

Wie haben die Menschen das früher nur gemacht? Als man sich noch nicht in allen möglichen und unmöglichen Lebenslagen „coachen“ lassen konnte? Kaum zu glauben, aber die haben ihr Leben tatsächlich ganz passabel gemeistert!

Heutzutage gewinne ich manchmal den Eindruck, dass ohne „Coaching“ mein Leben zwangsläufig zum Scheitern verurteilt sein muss. Vielleicht doch mal coachen lassen? Wenn man doch nur etwas genauer wüsste, was eigentlich hinter all diesen Angeboten steckt, die den Begriff Coaching so inflationär verwenden (außer der Wunsch, mit mir Geld zu verdienen)!

Erklärungsversuche… und viele offene Fragen:

  • Finanzcoaching: Klare Sache – hier hilft mir jemand, mein Geld möglichst geschickt in seine Tasche fließen zu lassen.
  • Einkaufscoaching: Hm – nochmal ein Angebot, bei dem mir jemand beim Geldausgeben helfen will.
  • Gesundheitscoaching: Eine Stunde dasitzen und über meine Gesundheit reden – wäre es nicht besser, ich gehe stattdessen eine Stunde zum Laufen, Radeln oder Schwimmen?
  • Wohncoaching: Stell ich mir ungefähr so vor… Jemand hilft mir, meinen „ganz persönlichen Wohnstil“ zu finden. Am Ende schaut meine Wohnung so „individuell“ aus wie bei allen anderen auch, die beim blaugelben Schwede einkaufen ;-)
  • Hochzeitscoaching: Nimmt Mann sich einen Hochzeitscoach, wenn ihm die Idee für einen einzigartigen Heiratsantrag fehlt? Kann man Hochzeitscoaching auch alleine buchen, oder nur als Paar?
[All diese Begriffe sind keine Erfindungen von mir – wer’s nicht glaubt, einfach googlen.]

Übrigens: Der Begriff „Coach“ heißt im ursprünglichen Wortsinn übersetzt „Kutsche“. Er wurde in den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts erstmals an der Oxford University umgangssprachlich für einen Tutor benutzt, der quasi seine Studenten durch die Prüfung „transportiert“ (Quelle: http://www.etymonline.com/index.php?search=coach).

Diese ursprüngliche Bedeutung, nämlich jemanden beratend zu begleiten, damit dieser ein Ziel erreicht, ist mein Verständnis des Begriffs „Coaching“. Diese Definition lässt sich mit entsprechendem interpretatorischen Freiraum natürlich irgendwie auch auf alle oben genannten Coachingangebote anwenden. Aber brauchen wir in all diesen Bereichen wirklich immer externe Unterstützung, um unsere Ziele zu erreichen (und vor allem – muss diese Unterstützung dann so gestelzte Namen haben)? Ich plädiere da eher für eine weitere (auch nicht von mir erfundene) Spielart des Coaching: Self-Coaching!

PS: Natürlich möchte ich mit diesem Artikel in keinster Weise die Arbeit seriöser Coaches abwerten – manchmal kommt man alleine nicht zum Ziel, und dann kann ein Coach auf jeden Fall hilfreich sein.
PPS: Auch ich bin in meiner Tätigkeit manchmal Coach, z.B. per definitionem „Gründercoach“ der KfW.