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Blogger und Outdoorbranche: Vertrauen ist gefragt

160713_outdoorbranche-bloggerGestern Abend hatte ich beim Gründerstammtisch Kempten Gelegenheit, einen Vortrag der Bloggerin Erika Spengler vom renommierten Alpin-Blog ulligunde.com zu hören und anschließend noch mit ihr zu plaudern: Sicht der Blogger und Sicht der Hersteller (aus meiner vergangenen PR-Tätigkeit für den Rucksackhersteller Gregory kenn‘ ich ja deren Perspektive) und in welche Richtung eine Zusammenarbeit in der Outdoorbranche in Zukunft gehen könnte. Eine Zusammenarbeit, bei der Blogger nicht nur billige Schreiber und Produkttester für die Hersteller sind, sondern mit ihren zunehmend hochprofessionellen, zeitintensiven und reichweitenstarken Outdoor-Blogs auch Geld verdienen können. Ohne dabei natürlich ihre Glaubwürdigkeit bei den Lesern zu verlieren, denn damit kann ein Blog ganz schnell kaputtgemacht werden.

Vertrauen und Freiheit
Vertrauen schenken und Freiheit lassen sind hier meiner Meinung nach Schlüsselfaktoren. Sprich der Hersteller macht keine Vorgaben, was für die Bezahlung im Gegenzug geschrieben werden muss, sondern lässt dem Blogger ziemlich freie Hand. Man steckt also z.B. Zielsetzungen ab wie „Fokus auf Produkte“ oder „Steigerung der Markenbekanntheit“, „Arbeitgebermarke stärken“, „Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit rausstellen“ usw., und der Blogger überlegt eigenständig, wie er zu diesen Themen recherchiert und schreibt. Dabei kann als Eckpunkt für ein monatliches Honorar X z.B. eine gewisse Artikelanzahl pro Monat oder Quartal festgelegt werden.

Kritik ist erlaubt
Und wenn der Blogger dann mal was nicht so Positives schreibt (und das muss er dürfen, um seine Glaubwürdigkeit gegenüber den Lesern zu behalten!), dann zeigt sich wahre Größe seitens des Herstellers in einem guten Dialog über die Kritikpunkte. Natürlich ist mit einem solch freien Vorgehen für den Hersteller ein gewisses Risiko verbunden, es birgt aber auch die Chance auf eine glaubwürdige Präsenz in der Öffentlichkeit. Und wer schon weiß, dass er einige Leichen im Keller hat, der sollte vielleicht auf eine Zusammenarbeit mit Bloggern gänzlich verzichten. Allerdings sind die Zeiten, in denen die Hersteller die alleinige „Hoheit“ über das hatten, was über ihre Marke und ihre Produkte in der Öffentlichkeit gesagt wird, dank Social Media eh längst passé.

Faires Miteinander in alle Richtungen
Der Blogger missbraucht das ihm geschenkte Vertrauen nicht, sondern achtet seinerseits auf ein faires Miteinander, professionelle Zusammenarbeit und wertschätzende Berichterstattung. Er bietet dem Hersteller die Möglichkeit zur Stellungnahme und zum Dialog und macht diesen Dialog auch seiner Leserschaft zugänglich. Die Leser wiederum sollten für die Wahrung der Glaubwürdigkeit erfahren, dass der Blogger vom Hersteller bezahlt wird, und sich dann ihr eigenes Bild machen können, ob die Berichterstattung des Bloggers trotzdem objektiv erfolgt und sie seine Berichte weiterhin lesen möchten. Berichte, die halt – das soll der Leser bitte berücksichtigen – auch nur dann gut und hochwertig und spannend sein können, wenn irgendjemand die Arbeit, die dahintersteckt, finanziell honoriert.

Win-Win-Modell mit Zukunft?
Bei der Leidenschaft, mit der (gute) Blogger nach meiner Erfahrung ihren Blog betreiben, bin ich überzeugt, dass sich solch ein Modell für die Hersteller auszahlt. Und andersrum erfahren die Blogger angemessene Wertschätzung für ihr Tun und  können den Lesern (und den Kunden oder potentiellen Kunden der Hersteller) nutzwertigen und interessanten Content bieten.

Alles in allem ist also ein vertrauensvolles, partnerschaftliches Miteinander in alle Richtungen gefragt – dann könnte das doch klappen, oder?