Berufliche Sichtbarkeit: LinkedIn, Pitch & Co. – auch für Angestellte?

2. November 2026 | Elevator Pitch, Netzwerken, Positionierung, Strategie & Mindset

Evelyn Großmann schaut durch eine Lupe – Sinnbild für berufliche Sichtbarkeit für Angestellte.

„Ich müsste mal mein Linkedin-Profil aktualisieren“, sagte mir kürzlich ein Bekannter, Angestellter im Großkonzern. Zwischen den Zeilen schwang mit: Das schiebt er schon seit Monaten oder gar Jahren vor sich her. Und vermutlich bleibt diese Form der beruflichen Sichtbarkeit auf der Prioritätenliste auch zukünftig hinten, wenn nicht ein böser Weckruf à la „Sie sind betriebsbedingt gekündigt“ kommt.

Sich sichtbar machen, das eigene Netzwerk pflegen und ausbauen, sich der eigenen Stärken bewusst werden und die auch ins rechte Licht rücken – das sind für viele Menschen Themen, die nur Selbstständige und Unternehmer:innen betreffen.

Angestellte, egal ob „normale“ Mitarbeitende oder auch Führungskräfte, wähnen sich da oft außen vor: „Das brauch ich nicht.“ „Meine gute Arbeit spricht für sich.“ „Ich hab ja nur noch ein paar Jahre bis zur Rente.“

Berufliche Sichtbarkeit aktiv gestalten

Berufliche Sichtbarkeit ist nicht nur eine Versicherung für schlechte Zeiten. Sie fördert auch die eigene Weiterentwicklung und Karriereschritte innerhalb und außerhalb des Unternehmens und hilft, für spannende Projekte und neue Aufgaben sichtbar zu sein und ist daher aus meiner Sicht für jede:n empfehlenswert. Natürlich individuell ausgestaltet.

Sichtbarkeit „passiert“ allerdings nicht von heute auf morgen, sondern muss aktiv gestaltet werden und wächst dann kontinuierlich. Das heißt, besser heute als morgen damit anfangen.

Darum meine Empfehlung: Bau Dir, auch als Angestellte:r, aktiv Deine Sichtbarkeit auf – neudeutsch Dein „Personal Branding“ – um so Deine berufliche Weiterentwicklung zu unterstützen. Oder im blödsten Fall (z.B. bei einer unerwarteten Kündigung) dankbar für Deine Weitsicht zu sein.

Was heißt „sich sichtbar machen“?

Gleich vorweg: Dich sichtbar machen heißt nicht, dass Du Dich ständig anpreisen musst wie ein Marktschreier, und auch nicht, dass Du Dich auf Social Media theatralisch inszenieren musst.

Dich sichtbar machen heißt grundsätzlich einfach: Dich an unterschiedlichen Stellen und Anlässen zeigen und drüber sprechen, was Du machst und kannst und wer Du als Mensch bist. Mein Credo dabei: „Sichtbarkeit auf DEINE Art“ – es darf zu Dir passen!

Der Schritt vor der Sichtbarkeit

Genau wie bei Selbstständigen auch geht es im ersten Schritt darum, Deine eigene berufliche Positionierung zu klären:

  • Wer bist Du?
  • Welche Stärken, Kompetenzen und Erfahrungen bringst Du mit?
  • Wofür wirst Du von Vorgesetzten und/oder Kolleg:innen geschätzt?
  • Was unterscheidet Dich von anderen mit ähnlicher Qualifikation, was macht Dich wertvoll?

Ebenso darfst Du Dir klar werden, wo Du in Zukunft beruflich hin willst. Denn nur wenn Du Deine Zukunfts-Ziele kennst, kannst Du mit Deinen Sichtbarkeitsaktivitäten zielgerichtet darauf hinwirken, den Zielen näher zu kommen.

Sichtbarkeitsmaßnahmen konkret

Passend zu Dir und zu Deinen Zielen kannst Du Dir drei Aktionsbereiche anschauen:

a) im eigenen Unternehmen
b) im beruflichen Netzwerk, z.B in der Branche, mit Kunden etc.
c) in der Öffentlichkeit, z.B. Content auf Linkedin, Fachveranstaltungen, Veröffentlichungen

  • Klarer „Pitch“. Egal ob intern zwischen Abteilungen, bei bereichsübergreifenden Projekten oder in der Kantine, oder extern mit Kund:innen, Geschäftspartner:innen oder im privaten Umfeld: Sichtbarkeit beginnt damit, dass Du kurz, knackig & neugierig machend sagen kannst, was Du beruflich machst – sprich, Deine berufliche Positionierung in passende Worte packen kannst.
    (Wertvolle Tipps für Deinen Pitch liest Du in meinem Beitrag „Wie geht ein guter Pitch? 6 Tipps für Deine begeisternde Kurzvorstellung“ – zwar für Selbstständige geschrieben, aber das allermeiste ist genauso auch für Angestellte anwendbar.)
  • Mehr über Dich und Dein Erfolge sprechen. Welche Ergebnisse hast Du erreicht, welche Stärken haben Dir geholfen, sie zu erreichen, welche wertvollen Erfahrungen hast Du dabei gesammelt?
    Ich weiß, dass das gerade eher leisen Frauen nicht leicht fällt. Aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Du kannst es lernen und üben (muss ja auch nicht von 0 auf 100 sein), Du wirst Schritt für Schritt selbstbewusster und routinierter. Und Du wirst Dir dankbar dafür sein, den Weg angefangen zu haben!
  • Linkedin-Profil. Empfehlenswert sowohl für Führungskräfte wie auch Fachexperten.
    • Level 1: Das eigene Profil aktuell bestücken, nicht nur mit den beruflichen Stationen, sondern auch mit hinterlegten Tätigkeiten und Erfolgen, und natürlich ein aktuelles, ordentliches Profilfoto.
    • Level 2: Vernetzung mit Kolleg:innen, Geschäftspartner:innen, Kund:innen.
    • Level 3: aktiv werden mit Kommentaren und ggf. eigenem Content, der die eigene Expertise und Haltung sichtbar macht.
  • Netzwerken. Netzwerken ist wie Zinseszins – die Wirkung entfaltet sich umso mehr, je länger man aktiv ist. Netzwerken, also gezielt neue Kontakte knüpfen (hier kommt der klare Pitch wieder ins Spiel!) und in Austausch gehen, kann innerhalb und außerhalb des eigenen Unternehmens passieren. Für Frauen interessant sind hier z.B. auch unternehmensinterne Frauennetzwerke. Wichtig beim Netzwerken: Kontakte nicht nur knüpfen, sondern auch pflegen. Sprich in Kontakt bleiben und sich, wo’s passt, gegenseitig unterstützen, ohne unmittelbaren eine Gegenleistung zu erwarten.
Sichtbarkeits-Marketing-Newsletter vom MarketingKöpfchen

Wie intensiv soll’s denn bitte sein?

Selbst wenn Du keinen Jobwechsel anstrebst und von Kündigung verschont bleibst – Netzwerken, Austausch macht Spaß, bringt neue Impulse und lässt Dich über den Tellerrand schauen. Dich sichtbar machen ist eine Erweiterung Deiner beruflichen Möglichkeiten für die Zukunft.

Und natürlich hast Du große Spielräume, wie intensiv Du das Ding mit der Sichtbarkeit betreibst: Schon ein gepflegtes, aktuell und gut bestücktes Linkedin-Profil kann ein erster wertvoller Sichtbarkeits-Baustein sein.

Wenn und Aber und Ausnahmen

„Ich hab keine Zeit dafür“

Du musst nicht zum Vollzeit-Content-Creator werden und brauchst auch keine großen Personal-Branding-Strategiepläne ;-) Wichtig ist, dass Du Dir einmal die Zeit für die Klarheit über Deine eigene berufliche Positionierung und Deine Ziele nimmst – Deine Ziele in Sachen Sichtbarkeit und Deine beruflichen Zukunfts-Ziele. Dann kannst Du ziel-gerichtet wählen, was an Aktivitäten Sinn macht.

Oft genügt schon die Positionierungs-Klarheit und die für Dich klar rausgearbeitete Absicht, sichtbarer zu werden, dass Du ab sofort Gelegenheiten bewusster erkennst und diese regelmäßig selbstbewusst wahrnimmst.

„Meine Arbeit spricht für sich“

Das höre ich gerade von Frauen immer wieder. Glaub mir: Nein, tut sie nicht. Zumindest nicht laut genug ;-) Gute Arbeit machen ist das eine (und natürlich unabdingbare Grundlage). Dass sie wahrgenommen wird, und dann auch noch von den richtigen Menschen, ist nochmal ganz was anderes!

Hier ist es definitiv angebracht, aktiv nachzuhelfen und an passenden Stellen, bei relevanten Menschen, über Deine Erfolge zu sprechen.

„Ich weiß nicht, was ich erzählen soll“

Du kannst – wie oben beschrieben – über Deine Arbeit, Deine Projekte und Erfolge sprechen und/oder zum Beispiel auf Linkedin schreiben. Natürlich im Rahmen dessen, was seitens Deines Arbeitgebers okay und abgestimmt ist. (Das kann ja auch für Deinen Arbeitgeber positiv aufs Image einzahlen, Stichwort Corporate Influencer. Wichtig ist, es abzusprechen.)

Du kannst Fachbeiträge mit Deinen eigenen Gedanken kommentieren, fachliche Entwicklungen in Deiner Branche einordnen, Deine Perspektive und Haltung zu beruflichen Themen darstellen.

„Wenn ich plötzlich aktiv werde, denkt mein Chef, ich will weg“

Ein gepflegtes Linkedin-Profil ist nicht gleich ein Kündigungssignal, sondern kann sogar auch ein Aushängeschild für den Arbeitgeber sein. Aber natürlich gilt es abzuwägen, wie und was Du öffentlich machst.

„Ich bin dafür zu alt“

Sichtbarkeit hat keine Altersgrenze. Solange Du im Berufsleben stehst (und bleiben willst), kann sie Dir helfen, präsent zu bleiben, im Austausch zu sein und Netzwerke aufzubauen, die vielleicht sogar über den Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Berufsleben hinaus Bestand haben.

„Ich darf gar nicht über meine Arbeit sprechen“

Ja, natürlich gibt es Tätigkeiten, bei denen Vertraulichkeit, Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse oder einfach interne Kommunikationsregeln Dich einschränken, und daran hältst Du Dich selbstverständlich. Ganz sicher gibt es aber trotzdem Möglichkeiten, dass Du an der ein oder anderen Stelle etwas sichtbarer wirst. Vielleicht braucht’s hier dann Ideen jenseits des Üblichen (Lass uns gern drüber sprechen!).

Gedanke zum Schluss: Aktuelle Stelle vs. berufliche Identität

Was macht Dich beruflich aus, jenseits der aktuellen Stelle? Genau das darf Sichtbarkeit bekommen, damit Du Deine berufliche Entwicklung aktiv mitgestaltest und nicht nur Deinem aktuellen Arbeitgeber überlässt.

Überzeugt, Du willst starten?

Klingt alles schlüssig, Du willst Deine Sichtbarkeit auch als Angestellte:r jetzt in die Hand nehmen? Aber Du fühlst Dich unsicher loszugehen und wünschst Dir Begleitung auf dem Weg (und vielleicht auch jemand, der mit Dir dran bleibt und dafür sorgt, dass Deine Aktivitäten nicht nach zwei Wochen wieder einschlafen)?

Dann lass Dich von mir begleiten. In einer Powersession können wir z.B. Deine berufliche Positionierung genauer anschauen und erste Schritte festlegen. Oder in einem Linkedin-Coaching Dein Profil erstellen oder auf Vordermann (-frau ;-)) bringen.

Ich freu mich, wenn Du den ersten mutigen Schritt zu mehr Sichtbarkeit machst – gern mit meiner Unterstützung!


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