Parke ich direkt vor der Eventlocation, oder doch lieber in der Seitenstraße? – Mit dieser scheinbar banalen Frage hat sich in einer vertraulichen Gesprächsrunde letzte Woche ein riesiges Thema aufgemacht: Was denken die Menschen über mich, wenn sie mein Auto sehen? Will ich im alten Opel Corsa gesehen werden? Will ich in der schicken Mercedes-E-Klasse gesehen werden? Warum geniere ich mich für das eine oder das andere?
In der Runde hat sich daraus eine Frage destilliert: Wer bin ich, wenn alle Äußerlichkeiten weggelassen werden?
Und für mich kam nach diesem Gespräch etwas auf, was mich schon seit Wochen umtreibt: So wie wir mit Auto, Kleidung & Co. eine Scheinwelt um unser wahres Ich bauen, so geschieht das gerade noch viel krasser mit KI. Welcher Text ist wirklich noch echt, welches Foto nicht gefaked?
Wir spüren diese rasant fortschreitende Entwicklung mit großer Verunsicherung als Empfänger – Was an dem, was ich über andere sehe/lese/höre, ist noch echt? – und als Sender – Wie stelle ich mich selbst dar, was zeige ich, wie optimiere ich?
Dabei fühlen wir auch, dass wir eigentlich gern den echten Menschen im Gegenüber wahrnehmen möchten, hinter all der Fassade.
Damit wirklich eine Verbindung entstehen kann.
Und genau da liegt aus meiner Sicht der Knackpunkt für die Zukunft einer Personenmarke: Echtheit. Echtheit und Mensch-Sein als Schlüssel, damit andere Menschen wirklich bei Dir andocken, Dich fühlen können.
Manifest zur Personenmarke in Zeiten von KI:
5 Thesen von Evelyn Großmann
1) Sein zählt: Das Paradox von Schein und Sein
KI kann inzwischen fast alles imitieren – Stil, Struktur, Empathie, Überzeugungskraft. Aber sie kann nicht SEIN. Sie handelt nicht aus Lebenserfahrung, sie zeigt keine Haltung, sie strahlt keine Energie aus, die eine Verbindung entstehen lässt. Dein Sein ist das, was bleibt, wenn alle Äußerlichkeiten weggelassen werden.
2) Unvollkommenheit schlägt Perfektion
Was Dich einzigartig macht, ist nicht Deine Stärke in Perfektion – sondern Deine ganz eigene, eben oft nicht perfekte Art, wie Du denkst, wie Du an Dinge rangehst, wie Du wieder aufstehst, wenn Du hingefallen bist. KI ist glatt und scheinbar ohne Makel. Du hingegen wirst genau durch diese vermeintlichen „Makel“ zur einzigartigen Personenmarke. Oder wie mir die KI es in der Vorbereitung treffend ausgedrückt hat: „Deine Ecken und Kanten sind keine Bugs, sie sind die Features.“
3) Energie als nicht-kopierbares Kapital
„Let Your Energy Sparkle!“ ist der wichtigste Tipp, den ich meinen Kund:innen in Sachen Elevator Pitch mitgebe. Diese Energie, die so nur DU ausstrahlen kannst, kann keine Maschine erzeugen. Sie lässt in Sekunden Deine Echtheit spüren, auf einer rational nicht greifbaren, aber emotional umso stärkeren Ebene. 100% Präsenz, die live von Mensch zu Mensch am kraftvollsten wirkt.
4) Mut zur Zumutbarkeit
Wir alle neigen dazu, eine glatt geschliffene, sorgsam kuratierte Version unserer Selbst nach außen zu tragen. KI verstärkt diese Tendenz massiv. Was wir aber brauchen, ist der Mut, uns anderen Menschen in unserer nicht glatt geschliffenen Version, mit Ecken und Kanten, zu zeigen. Ja, uns ihnen zuzumuten. Sprich, eine Meinung haben (und aussprechen!), Haltung zeigen, für unsere Werte einstehen. Das ist unbequem, kann Gegenwind erzeugen, macht verletzlich. Und gleichzeitig ist es unser stärkstes Differenzierungsmerkmal, damit genau die Menschen, die zu uns passen, hier andocken und zu uns finden – und die anderen wegbleiben.
5) Deine Geschichte als Resonanzraum
Du bist das, was Du heute bist, durch all Deine Erfahrungen und Prägungen, durch all Dein Wissen und Deine Stärken, durch alle Aufs und Abs, die Du durchlebt hast. Deine markanten Lebensstationen, Deine Erkenntnisse, Deine Zweifel, all Deine Geschichten, aus denen Du schöpfst, machen Dich unverwechselbar. Und zwar, indem Du durch sie Resonanz erzeugen kannst: Andere Menschen erkennen sich darin in der ein oder anderen Facette wieder – es entsteht Verbindung.

Auf den Punkt: Wie wirst Du in Zeiten von KI eine Personenmarke?
Stärke Dein Sein. Stehe zu Deinen Ecken und Kanten und zeig sie. Lass Deine Energie spüren. Nutz Deine Geschichte als Resonanzraum. Hab Mut, DU zu sein. So entsteht Verbindung zu den Menschen, die zu Dir passen und die Deine zukünftigen Kund:innen, Kooperationspartner:innen usw. werden!
Strategie ade?
Ich bin beileibe Strategin genug, um Dir nicht weismachen zu wollen, dass allein diese „weichen“ Faktoren Deine Personenmarke der Zukunft ausmachen. Strategische Inhalte – also die Antworten auf die vier Fragen meines Positionierungs-Puzzles „WER macht WAS FÜR WEN WOZU?“ – werden selbstredend wichtig bleiben. Aber sie allein reichen nicht mehr. Wirkung erzielst Du nur noch, wenn Du Dein WER-Puzzleteil mit obigen Aspekten maximal verstärkst und Dich damit mutig als Mensch zeigst.
Dein Innerstes nach außen kehren?!
Natürlich bedeuten all diese Impulse nicht, dass Du ab sofort Dein Innerstes komplett nach außen kehren und alles zeigen musst. Eine gewisse strategische Herangehensweise ist unternehmerisch sinnvoll, denn manche Facetten Deiner Echtheit sind dienlicher für Deine Businessziele, andere vielleicht weniger. Echt sein heißt also nicht, alles zeigen zu müssen. Aber für mich bedeutet es, dass das, was Du zeigst, echt ist.
Eine Frage zum Mitnehmen
Welchen Aspekt möchtest Du aus diesem Beitrag mitnehmen, um in der vor Dir liegenden Woche Deine menschliche Personenmarke zu stärken? Was konkret tust Du heute oder morgen, was auf diese Personenmarke einzahlt?
- Lass es eine ehrliche Antwort sein, wo Du sonst schweigen würdest.
- Äußere Deine Meinung, auch wenn es sich unbequem anfühlt.
- Versprüh Deine Energie, auch wenn Du Sorge hast, „zuviel“ zu sein.
Und erzähl mir gern in den Kommentaren von Deinem „Mut-Move zur menschlichen Marke“!
Deine Einzigartigkeit in Wirkung bringen
Klingt alles schon schlüssig für Dich, aber Du fühlst Dich überfordert, wie Du da konkret rangehen sollst? Das kann ich gut verstehen, auch bei mir war und ist das ein manchmal herausfordernder Weg.
Auf Deinem Weg unterstütze ich Dich daher gern – lass uns unverbindlich sprechen, in welcher Form das sein kann. Vielleicht genügt ein Impuls aus dem Gespräch, vielleicht möchtest Du Dich für eine Zeit begleiten lassen, vielleicht bist Du in meinem Selbst-Wirkungs-Raum „Elevator-Pitch-Trainingscamp“ genau richtig aufgehoben. Ich freu mich auf Deine Terminvereinbarung:







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